Pokern illegal?

Ok, es ist immer wieder die Frage, ob Poker illegal ist...

Ich möchte das hier für fachfremde mal kurz erläutern:

- meine Casinobesuche sind offensichtlich legal

- die Pokerwelle veranstaltet nur bei den behörden angemeldete Turniere und damit ist das auch offensichtlich 100%ig legal

- Onlinepoker: momentane Rechtssprechung: ich spiele nicht in Deutschland! Damit kann ich keine deutschen Gesetze brechen.

- Homegames:

Geklaut von folgender Seite: http://www.pokerfieber.com/strategy/chat/homegames_legal

Folgender Text:

Sie spielen mit Ihren Freunden ab und zu eine Runde Poker um Geld. Das findet gemütlich zu Hause statt und meist im kleinen Kreis. Aber macht man sich eigentlich mit diesen Homegames schon strafbar, oder wo genau ist die Grenze zwischen legal und illegal?

Wir haben einmal für Sie genau nachgefragt, damit Sie bei Ihrem nächsten Homegame beruhigt die Karten mischen können und sich auf der legalen Seite befinden. Das Strafgesetzbuch schreibt unter der Rubrik „Strafbarer Eigennütz“ folgendes:

§ 284 [Unerlaubte Veranstaltung eines Glücksspiels]
(1) Wer ohne behördliche Erlaubnis öffentlich ein Glücksspiel veranstaltet oder hält oder die Einrichtungen hierzu bereitstellt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Als öffentlich veranstaltet gelten auch Glücksspiele in Vereinen oder geschlossenen Gesellschaften, in denen Glücksspiele gewohnheitsmäßig veranstaltet werden.
(3) Wer in den Fällen des Absatzes 1
1.gewerbsmäßig oder
2.als Mitglied einer Bande handelt, die sich zur fortgesetzten Begehung solcher Taten verbunden hat,
wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

(4) Wer für ein öffentliches Glücksspiel (Absätze 1 und 2) wirbt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

§ 285 [Beteiligung am unerlaubten Glücksspiel]
Wer sich an einem öffentlichen Glücksspiel (§ 284) beteiligt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen bestraft.

Zusammenfassend müssen die Voraussetzungen vorliegen, damit das Homegame strafbar ist:

1.Poker ist ein Glücksspiel
2.Das Spiel findet öffentlich statt
3.Es gibt keine behördliche Genehmigung

1. Dass Poker kein Glücksspiel ist, versuchen professionelle Spieler schon seit Jahren der breiten Masse zu erklären. Mit mittelmäßigem Erfolg. Der Anfänger glaubt es vielleicht nach einigen Stunden Spielpraxis, der Mathematiker noch schneller und die Hüter des Glücksspielmonopols, nun, die brauchen wohl noch ein kleines bisschen mehr Zeit. Wenn allerdings sogar die USA noch hinterher hinken und dort Spielergrößen wie Annie Duke und Barry Greenstein gerade vor dem Kongress versuchen zu erklären, dass Poker mehr Talent als Glück erfordert, dann kann dies hierzulande auch noch einige Zeit dauern.

Entscheidend ist im Falle des Homegames, dass Spieler um Cent-Beträge spielen dürfen. Im strafrechtlichen Sinne müssen Spieler einen gewissen Geldeinsatz leisten, damit es sich um ein Glücksspiel handelt. Eine offizielle Grenze gibt es hier nicht. Somit muss man weiterhin auf einen eindeutigen Richterspruch warten, ab wie viel Einsatz ein Homegame illegal wird.

2. Wie überprüft man, ob sein Homegame öffentlich statt findet? Gedanken wie „Ich lasse keine Fremden mitspielen, deshalb ist es nicht öffentlich“ oder „In meinen eigenen vier Wänden kann ich tun und lassen was ich will“ stimmen leider nur teilweise. Öffentlich ist das Spiel, wenn es einem nicht geschlossenen Personenkreis nach außen erkennbar zugänglich gemacht wird. Dies bedeutet konkret: Spielen Sie mit Ihnen bekannten Freunden einen Runde – ist alles in Ordnung. Bringt einer dieser Freunde einen seiner Freunde mit, ist dies schon problematisch. Das „aktuellste“ Urteil zu diesem Thema stammt übrigens vom Reichsgericht Anfang des 20. Jahrhunderts. Demnach muss eine „gewisse Beziehung“ zwischen den Teilnehmern bestehen, es müssen also nicht einmal Freunde sein. In seinem Urteilsspruch sah das Gericht diese Beziehung als erwiesen an und somit konnten im konkreten Fall Gäste eines Eisenbahnabteils miteinander Karten spielen.

Hinweisschilder oder Zeitungsannoncen machen das Spiel natürlich öffentlich. Im obigen Fall dürften die Spieler im Zugabteil demnach keinen Zettel an die Tür hängen, mit der Information, dass gepokert würde. Das Gleiche gilt für Homegames: Ihre Freunde und Bekannte dürfen Sie einladen, aber ein Schild an Ihrer Wohnungstür, das auf den Pokerabend hinweist macht das Spiel wiederum illegal.

Einen wichtigen Punkt beinhaltet §284 Abs. 2 des StGB. Hier wird ein regelmäßiger Pokerabend ebenfalls strafbar. Spielen Sie z.B. mit Ihren Freunden jeden Mittwoch Abend bei sich zu Hause, wird die Veranstaltung laut StGB damit öffentlich. Die Grauzone ist hierbei, wenn der Wochentag und der Ort des Pokerabends wechseln. Nach dem Motto „Wo kein Kläger, da kein Richter“ werden in der Regel Homegames deshalb nicht zur Anzeige gebracht. Achten Sie jedoch darauf, öffentlich nach Homegames zu suchen. Wer in Internetforen nach privaten Pokerrunden sucht begibt sich auf dünnes Eis.

3. Brauchen Sie wirklich eine behördliche Genehmigung für Ihren privaten Pokerabend? Eines vorweg: Hätten Sie eine Genehmigung wäre Ihr Spiel 100% legal. Weil es in Deutschland aber das Glücksspielmonopol gibt, haben weder Privatpersonen noch -unternehmen die Chance eine derartige Erlaubnis zu bekommen. Professionelle Pokeranbieter benötigen eine solche Lizenz in jedem Fall. Für Ihre private Pokerrunde lohnt es sich aber wohl kaum, eine Lizenz auf Malta zu beantragen.

Die Frage ist letztlich, ob eine Veranstaltung auf deutschem Boden untersagt werden kann und ob sich ein Veranstalter nach deutschem Strafrecht strafbar macht, wenn er eine behördliche Lizenz für sein Unternehmen besitzt, die aus einem anderen EU-Mitgliedsstaat stammt. Nachdem das Bundesverfassungsgericht den alten deutschen Lotteriestaatsvertrag in weiten Teilen für verfassungswidrig erklärt hat und dem Gesetzgeber eine Frist für eine Neuregelung bis Ende 2007 gesetzt hat, wird zum 01.01.2008 ein neuer Staatsvertrag in Kraft treten. Diese neue Regelung ist aus Sicht der EU-Kommission ebenfalls europarechtswidrig. Dem deutschen Normgeber scheint dies allerdings egal zu sein. Sämtliche deutliche Hinweise und Mahnungen aus Brüssel blieben unberücksichtigt, so dass die umstrittene Regelung zum 01.01.2008 in Kraft tritt.

Da unsere Runde aus Arbeitskollegen eindeutig nicht öffentlich ist (und wir unregelmäßig an wechselnden Orten spielen) und die Beträge under der mir bekannten Schwelle liegen (bei BigBlind von 10cent) ab der es kritisch wird, ist es schon aus zwei Gründen nicht illegal.

 

Also Mama: dein Sohn ist kein Verbrecher

21.8.08 15:01

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)

Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)


 Smileys einfügen